Wann hören sie auf, zu beschönigen?

Die Wahrheit über die Schlachtung von Bio-Tieren bei Ja!Natürlich (REWE)

Auf der Facebookseite der österreichischen Bio-Marke Ja!Natürlich von REWE stellte eine Userin die Frage, in wie weit Ja!Natürlich-Fleisch aus stressfreier Schlachtung stammt. Sie habe dazu keine Infos auf der Unternehmenshomepage gefunden.

Hier die Antwort von Ja!Natürlich, also die Antwort aus dem REWE-Konzern:

[Zitat Anfang]
„Nicht alle Schlachthöfe haben die Berechtigung, Bio-Tiere zu schlachten. Klare Vorgabe ist, dass Bio-Tiere zuerst bzw. am Beginn jeder Schlachtung geschlachtet werden müssen. Dadurch ist nicht nur eine klare Trennung zwischen Bio und konventionell gewährleistet, sondern es reduzieren sich auch die Wartezeiten und der Stressfaktor für die Tiere. Generell muss hier auf einen schonenden und möglichst stressfreien Umgang mit den Tieren geachtet werden. Um dies sicher zu stellen, muss bei jeder Schlachtung ein Tierarzt anwesend sein. Zusätzlich werden unsere Schlachtbetriebe regelmäßig von unabhängigen Kontrollstellen sowie durch übergeordnete interne Kontrollen unter die Lupe genommen.“
[Zitat Ende]

Diese Stellungnahme kann nur jene beeindrucken, die die Realität nicht mit eigenen Augen gesehen haben. Durch gewiefte Formulierungen werden die Tatsachen – wie gewohnt – drastisch verdreht. Auffällig und ebenfalls nichts Neues, sind die unverbindliche Formulierung und die eindeutige Absicht, sich ein gutes Image aufzubauen. Wieder einmal werden wir auf die „regelmäßigen Kontrollen“ verwiesen, die alles und nichts bedeuten können. Das ist als reiner Beschwichtigungsversuch zu werten, der auf Argumentationsnot hinweist. Inhaltlich ist die Antwort bedeutungslos.

Im Rahmen meiner Recherchen für das Buch „Der große Bio-Schmäh – Wie uns die Lebensmittelkonzerne an der Nase herumführen„, habe ich mir auch einen Schlachthof angesehen, der für Ja!Natürlich Schweine, Lämmer und Rinder schlachtet. Es handelt sich um einen Betrieb, an dem konventionelle ebenso wie Bio-Tiere geschlachtet werden. Was ich dort gesehen und erlebt habe, steht in krassem Widerspruch zu den Behauptungen von Ja!Natürlich. Den Lämmern wurden sogar Eisenketten ums Bein festgezogen, an denen sie dann über die raue Betonfläche aus dem LKW in den Schlachthof geschliffen wurden. Die Tiere waren von großer Angst erfüllt, die sich in ihren Augen deutlich widerspiegelte. Zusammengepfercht in der Wartebox versuchten sie panisch, übereinander hinweg zu flüchten. Doch es gab keinen Ausweg.
Auch das Sterben der Tiere – am Fließband kopfüber am Haken hängend – stellt sich in der Realität gänzlich anders dar, als von Ja!Natürlich behauptet wird. Ein Tierarzt war tatsächlich anwesend, da haben die PR-Mitarbeiterinnen von Ja!Natürlich schon Recht. Dieser aber hatte alle Hände voll, in Akkordarbeit die Fleischbeschau nach der Schlachtung durchzuführen. Er war extrem gestresst, alles ging ruck zuck. Die Fleischbeschau dient nur der hygienischen Sicherheit und dem Verbraucherschutz. Der Tierarzt konnte sich um den Umgang mit den Tieren gar nicht kümmern, da er in solchen Akkordschlachthöfen gar nicht die Zeit dazu hat. Dass die Tiere an Eisenketten herein gezerrt wurden, hat er nicht einmal bemerkt. Das konnte er gar nicht, denn diese schrecklichen Szenen spielten sich stundenlang in einem ganz anderen Bereich des Schlachthofes ab. Und dabei handelte es sich bei diesem Betrieb noch um einen verhältnismäßig „kleinen“.
Auch waren die Bio-Tiere von Ja!Natürlich in Lastwägen (Tiertransportern) gemeinsam mit konventionellen aus mehreren Bundesländern herangekarrt worden. Auch das Verladen und der lange Transport entzog sich selbstverständlich der Kapazität des Tierarztes.

Da die Realität von den irreführenden Angaben und der manipulativen Wortwahl des REWE-Konzerns und dessen Bio-Marke Ja!Natürlich derart weit entfernt liegt, stelle ich hiermit das Kapitel über die Schlachtung von Säugetieren für unsere Bio-Marken online. Es handelt sich um einen Ausschnitt aus meinem Buch „Der große Bio-Schmäh – Wie uns die Lebensmittelkonzerne an der Nase herumführen„. Geschildert werden Szenen aus der Schlachtung für Ja!Natürlich.

Ausschnitt aus dem Buch downloaden <

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