Zurück Zum Ursprung und die Regionalität

Zurück Zum Ursprung und die Regionalität –
Ein Beitrag aus aktuellem Anlass

Ein „Mühlviertler Bio-Bergbauern-Apfeljoghurt“ mit Äpfeln aus Italien, Rosinen und Haselnüssen aus der Türkei und anderen Zutaten aus Brasilien und Mexiko? Erfahren Sie hier, wie das geht.

Am 21.11.2013 strahlte der ORF in „heute konkret“ einen TV-Beitrag über die Bio-Eigenmarken der österreichischen Supermärkte und Discounter aus. Ich war als Interviewpartner eingebunden und analysierte für die Redakteure mehrere zufällig ausgewählte Bio-Produkte. Darunter befand sich auch das „Mühlviertler Bio-Bergbauernjoghurt Apfel-Müsli“ der Bio-Marke Zurück Zum Ursprung von HOFER (ALDI-Süd in Österreich). Es ging um die Frage, weshalb auf der Verpackung im Kleingedruckten unter dem EU-Biozeichen der Vermerk „aus EU-/NICHT-EU-Landwirtschaft“ zu lesen ist, so wie auch auf anderen Milchprodukten der Marke.
Leider wurde ich in dem Text des TV-Beitrags irrtümlich falsch wiedergegeben. Es hieß, dass das Getreide in dem Joghurt aus der Türkei stamme. Das habe ich aber nicht gesagt. HOFER verlangte umgehend eine Richtigstellung, die am 27.11. ausgestrahlt wurde. In dieser hieß es dann, das betroffene Getreide stamme nicht – so wie „von Agrarbiologen Clemens Arvay behauptet“ – aus der Türkei, sondern aus Österreich.
Anhand des originalen Drehmaterials konnte sofort festgestellt werden, dass der Fehler nicht bei mir gelegen hatte. Jetzt könnte ich, so wie man es von unseren Lebensmittelkonzernen gewöhnt ist, eine neuerliche Richtigstellung fordern. Aber das tue ich nicht. Wo Menschen arbeiten, können Fehler gemacht werden. Ich bin froh, dass immer mehr Journalistinnen und Journalisten der öffentlichen Medien kritische Beiträge über unsere Lebensmittel gestalten und habe großen Respekt vor der Arbeit der Redakteurinnen und Redakteure.
Ich habe die Gelegenheit lieber dazu genutzt, in einem kurzen Filmbeitrag das betroffene „Mühlviertler Bio-Bergbauernjoghurt Apfel-Müsli“ noch einmal ausführlich als Beispiel zu behandeln und etwaige Missverständnisse aus dem TV-Beitrag auszuräumen. Die Causa eignet sich ganz hervorragend, um zu veranschaulichen, wie heute von Supermärkten und Discountern mit dem Werbe-Begriff „Regionalität“ umgegangen wird.

Nehmen Sie sich doch ein paar Minuten Zeit für das folgende Video und erfahren Sie, wie in ein „Mühlviertler Bergbauern-Apfeljoghurt“ Zutaten wie zum Beispiel Äpfel, Rosinen, Hasenüsse etc. aus Italien, der Türkei, aus Brasilien und aus Mexiko gelangen. Erfahren Sie auch, weshalb dies noch immer mit der HOFER´schen Definition eines regionalen Lebensmittels konform geht und wer solche Produkte für unsere Lebensmittelgiganten herstellt. (Die Details sind dem Video zu entnehmen.)

>Film auf Youtube ansehen<

34 Gedanken zu „Zurück Zum Ursprung und die Regionalität

    • Hallo Günther!
      Welche Entgegnung meinst Du?
      Im TV wurde von der Sprecherin lediglich ein kleines Detail falsch wiedergegeben. Aus der Türkei stammt eben nicht das Getreide, sondern andere Zutaten. In obigem Video wird das übrigens alles ganz genau erklärt.

  1. Pingback: So werden Menschen von Firmen verarscht | DPT Gerhard Schneider

  2. unwahrscheinlich mit welchen tricks wir manipuliert werden. musste teilweise sogar lachen, als ich dein video gesehen habe. schon beim wiederruf im ORF dachte ich mir: „beschwichtigungsversuch“ schade, daß mit einer guten initiative (BIO), auf dem rücken der konsumenten schindluder getrieben wird!

    • Hallo Inge!
      Danke fürs Feedback. Das Problem mit solchen „Richtigstellungen“, die die Konzerne im TV bei jeder Kleinigkeit fordern, ist, dass bei manchen Zusehern vielleicht dann der Eindruck bleibt: „Aha, das hat ja gar nicht gestimmt, was da gesagt wurde“. Doch dabei handelt es sich meistens nur um winzige Details, die an dem Gesamtbild nichts verändern.
      Genau diesen Effekt wollen die Firmen vielleicht sogar erreichen. LG

  3. Mir war das „Zurück zum Ursprung – so weit muss Bio gehen“ schon immer mehr als suspekt. Besonders unglaubwürdig von Anfang an war auch der „vollbiologische“ Werbebotschafter, der Kollege mit Vollbart und Brille, der sich vorher von Billa („Ja natürlich“) fürstlich entlohnen ließ und jetzt seit Jahren bei Aldi/Hofer abcasht. Wer zahlt, schafft an – eine alte Binsenweisheit. Für den entsprechenden Sold, sagt uns der Kollege im TV auch, dass Silikon voll-biologisch ist.

    Die Produktion vieler „BIO-Produkte“ ist mittlerweile, schon alleine aufgrund der hohen Nachfrage, annähernd herkömmlich und konventionell-industriell. Genau diese hohe Nachfrage nach sogenannten „BIO-Produkten“ sollte man aber einmal kritisch überdenken, ist sie doch in vielen Bereichen von der Nahrungsmittelindustrie bewusst hervorgerufen und mit „Besser für die Gesundheit“ dem Konsumenten suggeriert. Zweck? Einzig und alleine Profitsteigerung, what else?

    Der „BIO-Markt“ sollte Lücken im Absatz schließen und den Umsatz sogar noch viel weiter nach oben treiben. Die Marge, die sich mit „BIO-Produkten“ erzielen lässt, ist ungleich höher als für herkömmliche Produkte. Dass dann billige Zutaten, unabhängig von der Herkunft und Produktionsart, zugekauft und in „BIO-Produkten“ versteckt werden, ist logisch. Es lebe der Gewinn des „armen“ Handels!

    • Hallo Gerry!
      Und noch ein kleines Detail dazu: Werner Lampert (Sie beschreiben ihn als vollbärtig mit Brille) ist (1) Erfinder von Zurück Zum Ursprung, (2) Geschäftsführer von Prüf!Nach, dem Gütezeichen für Zurück Zum Ursprung, (3) zuständig für das Qualitätsmanagement der Marke sowie (4) Geschäftsführer am Csardahof, dem Hauptproduzenten für Bio-Feingemüse für Zurück Zum Ursprung. Der Csardahof ist der größte biologische Feingemüsebaubetrieb in Österreich und im Besitz der Familie Dichand (Kronen Zeitung). LG

  4. hallo, danke für die info und den beitrag. dass werbung und marketing manipulieren, sollte jedem klar sein. bio für die massen ist ein schwieriges Thema. ich für meinen teil kaufe lieber ein bio-joghurt mit zutaten aus anderen Ländern das in österreich produziert wird (solange der joghurt aus Ö ist) als z.B. ein nicht-bio-joghurt, das etwa aus griechenland mit dem lkw kommt.

  5. Hallo
    Leider sind die Konsumenten oft so dumm.
    Ich kenn keine regionalen Bananen oder Kiwi Bauern (es gibt einiges das bei uns nicht wächst) und wenn sowas dann als regionales Bio Produkt gekauft wird ist der Käufer selbst schuld.

    Selbst zu denken wäre ein super Lerngegenstand in der Schule, denn das ist etwas das immer weniger können.
    Und solang Konsumenten das nicht können werden sie auch für dumm verkauft.

    Will aber damit keinen Konzern verteidigen!!!

    • Man muss aber auch sagen, dass kein Konsument „dumm“ ist, wenn er glaubt, dass Äpfel auch in Österreich wachsen – um nur ein Beispiel aus dem Produkt zu nennen. Ich glaube, man sollte die Konzerne nicht aus der Verantwortung nehmen.
      Auch die Definition von „Regionalität“, die HOFER verwendet, ist nicht selbstverständlich. Und die wenigsten wissen, was es bedeutet, wenn auf einem Industriejoghurt „Bergbauer“ steht.
      LG

  6. ich frag mal ganz provokant wo man eigentlich nachschlagen oder herausfinden kann was exakt den unterschied ausmacht zwischen industriejoghurt oder einem bergbauernjoghurt? ist im industriejoghurt nur chemie drinnen oder was? werden die konsumenten von nicht bioware früher sterben und gibt es hier etwa statistiken dazu?
    ich bin eindeutig gegner von überdüngung, sinnlosen beschaffungstransporten und unausgeglichener und zu üppiger ernährung. jedoch würde es mich interessieren wie zum beispiel eine kinderreiche familie oder menschen mit geringem einkommen die biopreise leisten sollen um sich gesund und ohne gewissensbisse zu ernähren.

    • Biopreise leisten? Geht ganz einfach, indem man den unnötigen „schmarren“ weglässt. Ich weiß schon, es ist nicht leicht mit kindern einkaufen zu gehen. Ich habe eine pension von 960.- € und kaufe die meisten lebensmittel am bio bauernhof. Ist mir schon klar, dass das nicht jeder kann.

  7. mir fällt dazu leider, leider auch Sonnentor ein. bis vor ca. 1-2 Jahren ist auf den Sonnentormarmeladen drauf gestanden was die Marmelade bis ins Bio-Supermarktregal für einen Weg hinter sich hat. Das hat mich damals sehr erstaunt. Da kamen zwar die Früchte aus Österreich, aber die Verarbeitung und Abfüllung war an jeweils unterschiedlichen Orten ausserhalb Österreichs. Leider weiß ich nicht mehr genau wie dieser Weg war. Seit ca. 2 Jahren steht plötzlich nichts mehr drauf. Ich kann nicht sagen warum nicht. Es ost also bei allen sehr erfolgreichen Marken ein bisschen genauer hinzuschauen.

  8. Ich finde es völlig in Ordnung das es solche Leute wie dich gibt die solchen
    a) Betrug
    b) Verblödung
    von uns Konsumenten offen legen.
    Manchmal frage ich mich „für wie Blöd“ halten uns die Industrie und ihre Werbetexter.
    Wie weit darf die Wahrheit verdreht werden sodass man sich gerade noch nicht strafbar macht, wegen Vorspiegelung von falschen Tatsachen.
    Das Buch das in diesen Beitrag kurz vorgestellt wurde sollte eine Pflichtlektüre für uns (noch Mündige, und wachsame) Konsumenten sein.
    Man muss nur die Zeit haben sich die Informationen genau durch zu lesen, und da liegt teilweise der Hund begraben!!!
    Wer nimmt sich den noch die Zeit (wer hat den noch zeit) um sich die Informationen genau durch zu lesen. Und welcher Konsument weis die Bedeutung der dort niedergeschriebenen Informationen richtig zu Interpretieren.
    Die Industrie weis das, das der gestresste Konsument keine Zeit hat sich al diese Informationen durch zu lesen.

    Schlicht und einfach gesagt
    Die „Werbung“ ist eine elegante Umschreibung für Lug und Betrug. Wer am meisten Geld für Werbung hat, hat natürlich die besten Werbetexter unter Vertrag.
    Diese Aussage kommt nicht von mir sondern gerade Wegs von einem Menschen der Tag täglich mit Werbung zu tun hat
    Ich kann nur beipflichten
    Grüße

    • zum thema zeit, irgendwie sind alle immer im stress und niemand hat zeit. da frag ich mich was machen die leut mir ihrer zeit? ich bin selbstständig, hab noch keine kinder aber eine 80 stunden woche ist bei mir nicht selten und ich nehm mir trotzdem die zeit mich mit diversen dingen, die mir wichtig sind auseinander zu setzen. und darunter fallen für mich auch lebensmittel bzw. essen generell. es gibt internet, handys, schnelle autos und verkehrsanbindungen, fertigessen bzw. fast food dass man auch gesund zubereiten kann. so vieles dass uns das leben einfacher macht und zeit erspart. wo ist diese zeit hingekommen die wir uns ersparen? das fällt für mich eigentlich auch unter regionalität. dass man sich wieder auf die wichtigen dinge im leben besinnt (die für jeden natürlich unterschiedlich ausfallen) und die zeit mehr genießt.

  9. Mit dem sogenannten „Bio-Schmäh“ wird uns so viel vorgegaukelt, das gar nicht stimmt und es ist gut, wenn es Menschen gibt, die uns das auch hin und wieder aufzeigen.

  10. Ja so ist das eben. Genau so wie der Kuchen von Hofer und anderen Märkten. Die mit “ AUS OMAS REZEPTBUCH Kuchen “ und so beworben werden. Und auch Darauf steht. Nur im Kleingedruckten sieht man dann, — Oh hat meine Oma damals schon Backzusätze genutzt die heute meist nur in Industrieller Herstellung stammen. Kann ich nicht glauben, und daher sag ich das der auf Druck “ AUS OMAS REZEPTBUCH Kuchen“ nur ein Werbe Gag ist um die Leute zu Irren.

  11. Sehr gutes Video, aber was die Bergbauern im Burgenland betrifft, möchte ich noch etwas anmerken: Nicht das ganze Burgenland ist flach, es gibt, vor allem im Südburgenland, sehr steile Flächen, die kaum maschinell zu bearbeiten sind. Auch wir haben einen Weingarten dort, der aus diesem Grund händisch bearbeitet werden muss. Die Erhebungen sind im Vergleich zum Hochgebirge natürlich nicht groß, dennoch gibt es sehr abgelegene Höhenlagen und die wenigen Bergbauern im Burgenland, auf die diese Definition zutrifft, verdienen sich diese Bezeichnung auch, da ihre Arbeit mit sehr schwerem Einsatz verbunden ist. Und wer das Südburgenland wirklich kennt, wird wissen, dass das Hügelland dort der (natürlichen) Idylle im Hochgebirge um nichts nachsteht. Insofern verstehe ich den Einwand im Video nicht so ganz. Wie gesagt, nur als Anmerkung…

    • Hallo!
      Danke für die Anmerkung. Ich beziehe mich auf die Angaben des Ministeriums, wonach 70% der Katasterfläche Österreichs als Bergbauerngebiet gelten. Der Begriff wird in der Werbung aber durch idyllische Alpenromantik überzeichnet. Der politische Bergbauernbegriff hat keinerlei Bedeutung im Bezug auf die Milchqualität oder die Qualität der Tierhaltung. Das ist für mich der Punkt.
      Beste Grüße, CGA

  12. Lieber Clemens,

    sehr informativer Beitrag, wirklich spannend zu hören, wie der Begriff der Regionalität von Supermärkten/Werbung/EU gehandhabt wird. Jedoch eines ging mir ab: Die eingangs gestellte Frage, wie nun das tatsächlich Orangenkonzentrat von Mexiko oder Brasilien in das Zurück zur Natur Joghurt in der Hoferfiliale im Burgenland gelangt, wird nicht beantwortet.
    ToiToiToi

    Christoph

  13. Ich hatte im Burgenland eine Landwirtschaft gepachtet und war dort sogar in der Bergbauernstufe „2“ – und das im flachsten Bundesland Österreichs.

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